Aus der Krise in die Insolvenzverschleppung: Es ist nur eine Frage der Zeit

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

Immobilienrecht, Unternehmens-

und Wirtschaftsrecht.

Laut KSV1870 sind seit 1.1.2020 bis September 2020 um ein Drittel weniger Unternehmen in die Pleite gerutscht als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das klingt vorerst durchaus sehr positiv! Es folgt jedoch ein großes „ABER“. Aufgrund der Coronakrise sind es tatsächlich nicht weniger Insolvenzen der Firmen, sondern werden diese oftmals nur verschleppt.

Stundungen von Krediten und anderen Zahlungen, Aufschübe von 60 auf 120 Tage ausgeweitet, Unternehmen warten zu ob sie staatliche Zuschüsse erhalten, Finanzbehörden und Gesundheitskassen stellen keine Anträge und Kapitalgesellschaften benötigen keine positive Fortbestandsprognose – all dies machen die gesetzlichen Regelungen, ausgerufen in der Coronakrise, möglich. Tatsächlich helfen die derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen nur bedingt. Durch die Maßnahmen wird nämlich die Verschuldung nicht weniger.

Ganz im Gegenteil – diese hat sich auf 2,7 Milliarden Euro quasi verdoppelt. Dies führt zu einer massiven Verzerrung des Wettbewerbs und des Marktes und kann dadurch durchaus auch „gesunde“ Unternehmen in massive Schwierigkeiten bringen. In vielen Bereichen ist damit zu rechnen, dass es lange dauern wird, bis wieder ein Umsatzniveau erreicht wird, das demjenigen vor der Corona-Krise entspricht. Je länger ausstehende Zahlungen nun gestundet werden, desto unwahrscheinlicher wird es, die gestundeten Ansprüche neben den laufenden Kosten bedienen zu können.

2019 meldeten sich in den ersten drei Quartalen 3.808 Unternehmen zahlungsunfähig. Im Vergleich dazu waren es heuer erst 2.583. Seit März geht die Anzahl an Insolvenzen zurück, die Gesamtverschuldung steig unaufhörlich. Die Anzahl der Mitarbeiter, die von Insolvenzen betroffen sind liegt derzeit bei 13.000 Personen, das sind um 800 mehr als im Vorjahr. Die Situation am Arbeitsmarkt zeigt die wirtschaftlichen Herausforderungen sehr deutlich.[1]

Experten fordern auf Basis der neuen Daten und im Hinblick auf die zu erwartenden zahlreichen Insolvenzen in den nächsten Monaten die rasche Rückkehr zum bewährten österreichischen Insolvenzwesen, insbesondere der Antragstellung durch die Gebietskrankenkassen und Finanzämter. Die derzeitigen Corona bedingt erlassenen Verordnungen und beschlossenen Gesetze, unterstützen Unternehmen sich künstlich länger am Leben zu halten. Dies wird für die österreichische Wirtschaft keinen guten Ausgang nehmen. Das Hinauszögern der Antragstellung vermindert die Entschuldungschancen erheblich.

Big Bang: 2021

Im nächsten Jahr werden viele – auch große Unternehmen – Insolvenz anmelden, dann jedoch nicht mehr sanierungsfähig sein und die Gläubiger werden leer – mit einer Null-Quote- ausgehen. Ähnlich steht es auch um Privatinsolvenzen laut KSV Studie.

Rechtsexperten mit Schwerpunkt Insolvenzrecht drängen darauf, dass Unternehmen rechtzeitig die Weichen stellen, damit die Chance auf Sanierung und einen Turn-around gewahrt ist.

[1] https://www.ksv.at/pressemeldungen/insolvenzstatistik-q1-3-2020

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

Immobilienrecht, Unternehmens-

und Wirtschaftsrecht.