Insolvenzquoten: Erhält jeder das, was er verdient?

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

Immobilienrecht, Unternehmens-

und Wirtschaftsrecht.

Bei der Verteilung des Vermögens eines Schuldners im Rahmen eines Insolvenzverfahren nehmen die Gläubiger nur quotenmäßig teil. Die Gläubiger erhalten von dem nach Abschluss des Insolvenzverfahrens vorhandenen Vermögen jenen Anteil, der sämtlich angemeldeten Forderungen entspricht.

Dies Insolvenzquote sagt somit aus, wie viel Prozent jeder einzelne Gläubiger von seiner angemeldeten (und vom Masseverwalter festgestellten und bewilligten) Forderung erhält. Die Quote gibt damit auch Auskunft über den uneinbringlichen Forderungswert, den die Gläubiger dann verlieren.

Wie wird die Gläubigerquote berechnet?

Errechnet wird die Quote aus der verteilbaren Insolvenzmasse zu den anerkannten Insolvenzforderungen. Die zu verteilende Insolvenzmasse ist das Vermögen, welches nach Abschluss des Verfahrens unter Berücksichtigung noch zu tätigender Zahlungen übrig bleibt. Diese Berechnung ist meist weder für den Verwalter noch für den Gläubiger einfach und wirft viele Fragen auf.

  • Warum erhält man nicht alle offenen Schulden erstattet?
  • Warum bekommen andere mehr Geld?
  • Warum wird nicht das Gesamtvermögen herangezogen für die Berechnung?
  • Und vieles mehr.

Ein Beispiel:

Ein Gläubiger hat im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Forderung in der Höhe von 1.000 Euro angemeldet. Der Insolvenzverwalter hat jedoch nur 850 Euro anerkannt, da der Rest wegen fehlender Nachweise umstritten ist. Die zu verteilende Insolvenzmasse ergibt eine Quote von 13 Prozent. Der Gläubiger erhält somit 13 Prozent von 850 Euro, also 110, 50 Euro.

Was steht Gläubigern zu?

Grundsätzlich behandelt das Österreichische Insolvenzrecht sämtliche Insolvenzgläubiger gleich. Nur jene die entweder selbst eine Erklärung abgegeben haben, mit ihrer Forderung im Rang nach den übrigen Gläubigern zu stehen und bei denen das Gesetz (etwa bei eigenkapitalersetzenden Leistungen) ausdrücklich die Nachrangigkeit anordnet, werden nachrangig behandelt. Nachrangige Insolvenzgläubiger erhalten erst dann etwas, wenn alle übrigen Gläubiger quotenmäßig zur Gänze (sprich zu 100 Prozent) befriedigt sind.

Vertragspartner insolvent – Verträge kündigen?

Ein Ausstieg aus einem laufenden Vertrag „nur“ weil ein Partner insolvent ist, ist grundsätzlich für sich alleine kein Kündigungsgrund. Die vertraglichen Pflichten bestehen weiterhin. Wichtig ist abzuklären, ob Aufträge abgewickelt werden können, wie das Verfahren verläuft oder wie Chancen zur Anerkennung oder Ablehnung von Forderungen stehen.

Es empfiehlt sich bei noch nicht abgewickelten Aufträgen Kontakt zum Insolvenzverwalter aufzunehmen, Forderungen anzumelden und das Verfahren genau zu beobachten um die aktuelle Lage sowie allfällig notwendige kurzfristige Lösungen zu sondieren.

Rechtliche Unterstützung für alle Belange

Als Gläubiger ist man angehalten, rechtzeitig die Forderung unter Vorlage entsprechender Nachweise im Insolvenzverfahren anzumelden und sich laufend über das Verfahren zu informieren. In Österreich werden viele Gläubiger von einem der Gläubigerschutzverbände wie dem Kreditschutzverband von 1870 (KSV), dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV), dem Österreichischen Verband Creditreform (ÖVC) oder dem Insolvenzschutzverband für Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen (ISA) vertreten. Bei komplexen Fragestellungen oder Vertragswerken ist es sehr empfehlenswert einen Anwalt mit Schwerpunkt Insolvenz-, Unternehmens- und Gesellschaftsrecht beizuziehen.

MAG. PHILIPP STOSSIER

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