Private Stiftungen liegen im Trend

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

Immobilienrecht, Unternehmens-

und Wirtschaftsrecht. 

Eine Privatstiftung ist eine Einrichtung, die mit dem ihr gewidmeten Vermögen einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt. Die finanziellen Mittel sollen so langfristig erhalten bleiben. In Österreich gibt es über 3.090 private Stiftungen, darunter rund 200 rein gemeinnützige, sowie 220 Bundes- und 240 Landesstiftungen.

Eine Privatstiftung ist eine juristische Person, die gemeinnützige – wie die Förderung der Wissenschaft, Forschung oder Kunst – oder eigennützige Zwecke – Familien- oder Unternehmensmitarbeiterstiftungen – verfolgt. Es kann sinnvoll sein eine Privatstiftung zu gründen, wenn ein Unternehmen nicht auf mehrere Nachfolger und/oder Erben aufgeteilt werden soll. So könnte – entsprechend gewissenhaft formulierte Anweisungen des Stifters an den Stiftungsvorstand – das Unternehmen bestehen bleiben und das Unternehmen von familienfremden, vom jeweiligen Stiftungsvorstand ausgewählten, geeigneten Managern, geführt werden. Eine Stiftung selbst darf jedoch kein eigenes Gewerbe ausüben und muss sich daher mit dem Halten von Geschäftsanteilen begnügen.

Auf einen Blick: Die Vorteile einer Privatstiftung

Wenn eine private Stiftung gegründet wird ergeben sich zahlreiche positive Aspekte.

  • Sicherung des Lebenswerks über den Tod hinaus
  • Ungeteilte Erhaltung der Vermögenswerte
  • Erhaltung der Arbeitsplätze
  • Versorgung der Angehörigen
  • Förderung und Unterstützung bestimmter Personen
  • Vermeidung der Zersplitterung des Vermögens in der Erbfolge
  • Erhaltung des Unternehmens ohne Nachkommen
  • Förderung der Kapitalbildung und Prosperität
  • Förderung der Interessen und/oder sozialen Absichten
  • Zusammenhalt des Unternehmens bei Vermögensauseinandersetzung
  • Professionelle Führung eines Unternehmens durch vom Stiftungsvorstand ausgewählte Manager
  • Förderung gemeinnütziger Zwecke

Zusammengefasst

Im Vordergrund einer Stiftung steht Vermögen gleich welcher Form nachhaltig zu bewahren, eine professionelle Unternehmensführung zu organisieren und zu erhalten. Arbeitsplätze zu sichern und eine Aufsplitterung zu verhindern. Das Vermögen wird vom Stifter losgelöst. 

Der Weg zur Privatstiftung

Die Privatstiftung entsteht mit Eintragung der Stiftungserklärung in das Firmenbuch. Die Stiftungserklärung kann unter Lebenden aber auch von Todes wegen durch letztwillige Anordnung errichtet werden. Mit der Errichtung einer Privatstiftung verliert der Stifter sein unmittelbares Zugriffsrecht auf das gestiftete Vermögen und ist dieses vom Stiftungsvorstand im Sinne des Stiftungszweckes zu verwalten!

Das Mindestvermögen einer Privatstiftung beträgt 70.000 Euro.

Die Stiftungserklärung hat folgenden Mindestinhalte:

  • Definition über die Widmung des Vermögens
  • Erklärung des Stiftungszweckes
  • Bekanntgabe der Begünstigten
  • Name und Sitz der Privatstiftung
  • Name und Adresse des Stifters
  • Skizzierung der Dauer der Stiftung (jedoch für maximal 100 Jahre)

Darüber hinaus sollte jede Stiftungserklärung folgende wohl überlegte Punkte enthalten:

  • Regeln für den Stiftungsvorstand bestehend aus Stiftungsprüfer, Gründungsprüfer, Aufsichtsrat und weitere Organe
  • einen Leitfaden für etwaige Änderungen der Stiftungsregeln
  • eine Entschädigungsregelung
  • Regeln über die Aufteilung und Verwaltung des Vermögens bei einer Auflösung der Stiftung

Die handelnden Personen

Damit eine Stiftung auch rechtlich korrekt aufgestellt ist, braucht es Führung. Wie in einem Unternehmen braucht eine Stiftung einen Vorstand und Aufsichts- und Prüforgane.

  • Der Vorstand

Der Vorstand der Stiftung muss aus drei Personen bestehen. Begünstigte und nahe Angehörige des Stifters sind von dieser Funktion ausgeschlossen. Den ersten Vorstand bestellt der Stifter persönlich, der selbst dem Vorstand angehören kann, wenn er nicht auch Begünstigter ist. Der Vorstand verwaltet das Vermögen im Sinne des Stiftungszwecks, der bei der Gründung genau definiert und festgelegt sein muss.

  • Der Prüfer

Diese Funktion wird vom Gericht oder von einem bestehenden Aufsichtsrat bestimmt. Die Person, die diese Verantwortung übernimmt muss beeideter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater oder beeideter Buchprüfer und Steuerberater sein. Der Stiftungsprüfer darf nicht als Begünstigter oder Arbeitnehmer sowie als Mitglied einer anderen Stiftung aufscheinen. Der Jahresabschluss und der Lagebericht sowie die gesamte Buchführung wird vom Stiftungsprüfer binnen drei Monaten geprüft.

  • Der Aufsichtsrat

Sind mehr als 300 Arbeitnehmer in der Stiftung beschäftigt, oder wird von dieser eine inländische Kapitalgesellschaft bzw. einer Genossenschaft einheitlich geleitet und liegt auch hier die Arbeitnehmerzahl bei über 300 Personen ist ein Aufsichtsrat zu bestellen. Dieser muss aus drei Personen bestehen, die der Stifter definiert.

Beendigung einer Privatstiftung

Eine Stiftung kann in 4 Fällen aufgelöst werden:

  1. Ablauf der Bestandsdauer
  2. Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder Insolvenzabweisung mangels Masse
  3. Einstimmiger Auflösungsbeschluss des Vorstandes (etwa bei Widerruf des Stifters)
  4. Gerichtlicher Auflösungsbeschluss

Rechtlichen Beistand hinzuziehen

Ein kompetenter Rechtsanwalt, der das Vertrauen genießt und sich auf das Privatstiftungsrecht spezialisiert hat, ist der erste Ansprechpartner, wenn eine Gründung einer Stiftung im Raum steht. Nur durch eine umfassende Beratung kann die geeignetste und sicherste Lösung für die Anliegen des Mandanten erarbeitet werden, der sein Vermögen letztendlich in die Hände Dritter gibt.

MAG. PHILIPP STOSSIER

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