Start-up Investing: Know-how und/oder Do-how

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

Immobilienrecht, Unternehmens-

und Wirtschaftsrecht.

Start-ups boomen, nicht nur in der Unternehmer-, sondern auch in der Investorszene. Dabei gilt immer öfter: hohe Risiken aber auch hohe Renditen. Geldgeber sollten rechtlich und steuerlich jedoch einiges berücksichtigen.

Täglich werden neue Start-ups in den unterschiedlichsten Bereichen gegründet. Sie sprießen förmlich wie Pilze aus der Erde. Die Szene ist nicht nur für Gründer und potenzielle Unternehmenspartner dynamisch und spannend, sondern auch für Investoren. Dies sind Personen, Institutionen oder auch Unternehmen die Kapital bereit stellen, um sich an Start-ups zu beteiligen. Investoren erhalten keine feste Verzinsung – wie bei Krediten – sondern eine Beteiligung am Erfolg.

Einfach zu investieren, oder doch mit Hürden?

Als Geldgeber kann man als Gläubiger dem Start-up Geld in Form eines Darlehen zur Verfügung stellen oder als Investor sich direkt am Unternehmen beteiligen und Miteigentümer werden. Gleich wie man in ein Start-up investiert, Chancen und Risiken müssen ausführlich abgewogen werden. Daher: je früher die Unternehmensphase, desto höher Potenzial und Risiko. Das Rendite/Risiko Prinzip aus der Finanzbranche wird auch hier eingesetzt.

Der Finanzierungsprozess

Die unterschiedlichen Finanzierungsarten eint die Bereitstellung von Kapital, das vom Start-up genutzt wird. Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Mitbestimmungs- und Informationsrechte, der Dauer der Bereitstellung von Kapital und dem Risiko des Investors.

Bei der Direktbeteiligung übernimmt der Investor Anteile am Start-up und wird Gesellschafter mit allen Rechten und Pflichten, die sich aus der Gesellschafterstellung ergeben. Meist wird die Beteiligung des Investors im Rahmen einer Kapitalerhöhung ermöglicht.

Eine eher seltene Beteiligungsform ist die stille Beteiligung, bei der der Investor nicht Gesellschafter des Unternehmens wird. Der Investor leistet aufgrund einer gesonderten Vereinbarung eine fest oder variabel verzinste Vermögenseinlage, die vollständig in das Vermögen des Start-ups übergeht. Häufig wird vereinbart, dass der Investor am Gewinn, nicht aber am Verlust der Gesellschaft beteiligt wird.

Ähnlich wie bei der stillen Gesellschaft wird auch bei einer Kapitalbereitstellung der Investor nicht Gesellschafter des Start-ups. Er erhält sogenannte Genussrechte. Die vermögensrechtliche Stellung wird in den meisten Fällen wie diejenige eines Gesellschafters sein. Die Vertragspartner haben einen großen Spielraum, insbesondere im Hinblick auf die Handelbarkeit des Genussrechts, aber auch bezüglich der Zahlungsmodalitäten und Informationsrechte. Vereinbarungen können individuell abgestimmte und getroffen werden.

Oft kommen zur Finanzierung von Start-ups Darlehen in Betracht. Das Unternehmen erhält vom Investor eine Darlehenssumme zugezählt, die über die Laufzeit des Darlehens oder an dessen Ende zurückgezahlt werden muss. Bei einem sogenannten Nachrangdarlehen vereinbart der Investor mit dem Unternehmen, dass der Anspruch auf Rückzahlung des Darlehens, gegenüber anderen Gläubigern des Start-ups, zurücktritt. Das bedeutet, dass das Unternehmen das Darlehen erst dann zurückzahlen muss, wenn es seine sonstigen Schulden (z.B. Lieferantenkosten) bezahlt hat. Nachdem es kaum ein Unternehmen gibt, dass keine Verbindlichkeiten hat, ist es sinnvoll den Rangrücktritt nur bis zur Erreichung einer entsprechenden Eigenkapitalquote zu vereinbaren. Bei der richtigen Ausgestaltung verhindert der Rangrücktritt auch eine eventuelle Insolvenzantragspflicht des Start-ups.

Bei einem partiarischen Darlehen verzichtet der Darlehensgeber teilweise oder vollständig auf einen Zins und partizipiert über eine gewinnabhängige oder gewinnorientierte variable Vergütungskomponente am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, wobei es aus Sicht des Start-ups sinnvoll ist, die Gewinnbeteiligung auf einen Maximalbetrag zu deckeln.

Verwässerungsschutzregelung: Enorme Wichtigkeit für Investoren

Diese Regelung ist zur Absicherung für Investoren. Denn ob in ein Start-up investiert wird oder nicht hängt von der Unternehmensbewertung und Wirtschaftlichkeit ab. Darin ist festgehalten, dass das Start-up das präsentierte Geschäftsmodell soweit umsetzt, dass der Wert steigt.

Rechtliche Absicherung beim Investieren in Start-ups

Ausschlaggebend ist die Rechtsform des Start-ups und die daraus resultierenden Rechte. Steuerliche Überlegungen, regulatorische Anforderungen und ein langfristiger Finanzierungsplan sind die Grundbasis. All dies muss in die Entscheidungsfindung einfließen. Vor allem sollten potenzielle Investoren Bescheid wissen über Finanzierungsinstrumente und -prozesse, vertragliche Dokumentation und Regelung. Gründer und Investoren sind gut beraten, sich im Bereich Gesellschaftsrecht, Verwaltungsfragen, Gewerberecht und Steuerrecht im Vorfeld über Novellen und Regeln zu informieren und sich an Experten zu wenden. 

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und

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und Wirtschaftsrecht.