Eine Insolvenz droht – wie handle ich richtig?

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und Immobilienrecht, Unternehmens- und Wirtschaftsrecht 

Rote Zahlen kündigen meist schleichend eine Insolvenz an. Wenn die Kennzahlen des Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) nicht erreicht werden ist im Jahresabschluss eine Erklärung abzugeben, warum dennoch keine Insolvenz droht. Auch wenn es „nur“ als ein etwas schlechteres Jahr verzeichnet und gehofft wird, dass das nächste Jahr wieder besser wird, empfiehlt sich juristische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die Ursachen einer drohenden Insolvenz sind vielschichtig und spätestens der Jahresabschluss zeigt die tatsächliche finanzielle Lage eines Unternehmens auf. Das Unterschreiten der URG-Kennzahlen wie eine Eigenmittelquote größer als 8 Prozent oder eine fiktive Schuldentilgungsdauer von mehr als 15 Jahren, sollte die Geschäftsführung ernst nehmen und bereits zu diesem Zeitpunkt Unterstützung und Beratung suchen.

Werden die festgehaltenen Zahlen ignoriert und weiterhin business as usual betrieben, steigt nicht nur die Gefahr einer unvorbereiteten und damit chaotischen Insolvenz bei der eine Sanierung des Unternehmens oft nur sehr schwer möglich ist, sondern es sind damit auch strafrechtliche Konsequenzen verbunden. Wichtig ist stets die finanzielle Situation genau zu begutachten, sich die Tatsachen einzugestehen und einen externen Spezialisten einbinden.

Das Insolvenzverfahren
Geschäftsführer und Vorstände haben in ihrer Funktion Pflichten, für die sie die Verantwortung tragen und denen sie auch nachkommen müssen. Sie unterliegen zum Beispiel der Buchführungs- und Informationspflicht. Sollte sich hier abzeichnen, dass Verluste erwirtschaftet werden und diese höher sein könnten als die Hälfte des Stammkapitals, muss der Geschäftsführer bzw. der Vorstand seiner Informationspflicht nachgehen und die Gesellschafter informieren.

Eine drohende Insolvenz und dunkelrote Zahlen? Die nächsten Schritte müssen wohl überlegt sein.

Die rechtlichen Gegebenheiten
Sollte sich eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung einstellen muss unverzüglich, spätestens aber 60 Tage danach, ein Eröffnungsantrag für eine Insolvenz eingereicht werden. Diese Frist kann nur dann sanktionslos ausgenützt werden, wenn in der Zeit nachvollziehbare und aussichtsreiche Sanierungsbemühungen getätigt wurden. Wird der Antrag also überhaupt nicht oder nicht rechtzeitig gestellt, drohen den verantwortlichen Organen (Geschäftsführer oder Vorstand) Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder auch hohe Geldstrafen. Bei Nichteinhaltung der Verpflichtungen wird die Geschäftsführung sogar persönlich haftbar. Informationen zu Antragsfristen und dergleichen sollten daher rasch abgestimmt werden.

Neben dem Stellen des Antrags muss der Geschäftsführer oder der Vorstand auch das Vermögen des Unternehmens erhalten. Zahlungen dürfen während des gesamten Prozesses nicht geleistet werden. Wird dagegen verstoßen, haftet die Geschäftsführung erneut privat und es können sich tiefgreifende zivil- aber auch strafrechtliche Konsequenzen ergeben.

Zahlungsschwierigkeiten sind stets unangenehm. Dennoch darf ein großer Fehler während eines laufenden Insolvenzverfahrens nicht begangen werden: Nämlich so absurd es klingt – es dürfen keine Rechnungen bezahlt werden. 

Rechtliche Expertise
Aus diesen genannten Gründen ist es von größer Bedeutung bereits bei den ersten Anzeichen einer Insolvenz, jedoch spätestens nach dem ersten Jahresabschluss mit roten Zahlen, einen Spezialisten für Insolvenzrecht, Finanzstrafrecht und für Haftungen der Geschäftsführung in der Insolvenz zu kontaktieren und mit dem Experten ausführlich über die rechtliche Lage und die nächsten Schritte und Maßnahmen zu sprechen.

MAG. PHILIPP STOSSIER

Ihr Experte für Insolvenz- und Immobilienrecht, Unternehmens- und Wirtschaftsrecht